Deklaration

 

Die Deklaration ist das Einzige, woran der Hundehalter sich orientieren kann, wenn es um die Beurteilung einer Futtersorte geht. Alle anderen Angaben aus Prospekten und Internetangeboten oder gar mündliche Aussagen sind freiwillig und unterliegen keinerlei Kontrolle. Theoretisch kann jede diese Angaben ein Druckfehler, eine Fehlinformation oder eine Verwechslung sein, ohne dass man den Hersteller dafür belangen könnte.

 

Verbindlich und Pflicht sind allein die auf dem Futtersack befindlichen Deklarationen von Zusammensetzung und Gehalt an Inhaltsstoffen. Diese Angaben müssen den Deklarationsrichtlinien des Landes entsprechen, in dem das Futter produziert wird. Wenn deutsch deklariert wird, so ist dies lediglich eine Übersetzung, keine Deklaration nach deutschem Deklarationsrecht.

Die Analyseangaben sind nicht Pflicht - wenn sie gemacht werden aber verbindlich.

 

Alle in der Zusammensetzung gelisteten Inhaltsstoffe wurden künstlich zugefügt, die in den Ausgangsstoffen bereits enthaltenen Vitamine, Mineralien etc. kommen erst in der Analyse zum Tragen - und die bereits in den Zutaten enthaltenen Konservierungsstoffe, Antibiotika, Pestizide usw. gar nicht.

 

Vergleicht man also den Verarbeitungsprozess mal mit dem Kuchenbacken in der heimischen Küche, so spiegelt die Zusammensetzung alle zum Backen benötigten Zutaten wieder, und würde man den fertigen Kuchen dann im Labor untersuchen lassen, käme dabei die Analyse heraus.

 

Zusammensetzung

 

In der geschlossenen Deklaration werden Inhaltsstoffe in Gruppen zusammengefasst, also zum Beispiel Hafer und Gerste zu Getreide. Bei dieser Deklarationsform wird für den Verbraucherhalter transparent, ob ein Futter mehr Fleisch- oder Getreideanteil hat, allerdings um den Preis, dass Art und Qualität der verwendeten Zutaten nicht ersichtlich werden und vom Hersteller auch je nach Marktlage geändert werden können.

 

In der offenen Deklaration werden alle Inhaltsstoffe aufgelistet, so dass man zwar die Zutaten, jedoch kaum noch die Anteile bestimmen kann. Ferner werden hier die Komponenten gerne gesplittet - z.B. Mais, Maisgrieben, Maismehl - um sie in der Zusammensetzung auf die hinteren Plätze verweisen zu können.

 

Ebenfalls zu bedenken ist, dass in der Zusammensetzung die Komponenten vor dem Verarbeitungsprozess angegeben werden, sehr feuchtigkeitshaltige Lebensmittel wie z.B. Fleisch verlieren beim Trocknen große Anteile ihres Gewichts und sind im Endprodukt möglicherweise nur noch mit einem geringeren Anteil vertreten.

 

Gehalt an Inhaltsstoffen

 

Der Gehalt an Inhaltsstoffen gibt die Nährwerte des Futters insgesamt wieder. Die Hersteller müssen lediglich die Werte für Rohprotein, Rohfett, Rohfaser und Rohasche angeben. Der Gehalt an Wasser muss nur angegeben werden, wenn er mehr als 10% beträgt.

Ermittelt werden diese Werte durch die "Weender-Analyse", einem vergröbernden und sehr alten Verfahren.

 

Die Silbe "Roh" vor den einzelnen Nährwerten besagt, dass in der Analyse x% dieses Nährstoffs gefunden wurden, aber nicht, inwieweit dieser Nährstoff verdaulich, also verwertbar ist. Da die Verwertbarkeit jedoch für jedes Futter von entscheidender Bedeutung ist, helfen diese Werte allein noch nicht weiter, entscheidend ist die Qualität der verwendeten Komponenten.

Eine niedrige Verdaulichkeit zeigt sich an großen Kotmengen, Mangelerscheinungen und verhältnismäßig hohen Fütterungsmengen.

 

Ebenfalls zu bedenken ist, dass Mindest- (für Rohprotein und Rohfett) und Höchstwerte (für Rohasche und Rohfaser) angegeben werden, die tatsächlichen Werte ergo abweichend sein können.

 

Rohprotein bezeichnet alle stickstoffhaltigen Bestandteile des Futters, also hauptsächlich Eiweiß, aber z.B. auch Vitamine.

Alle Futteranteile, die in einer Ätherlösung löslich sind, werden als Rohfett zusammengefasst. Das sind alle Fette, von Pflanzenöl bis Wachs. Zur Ermittlung der Rohfaser werden mittels Säuren oder Laugen Proteine, Fette und Asche entfernt. Übrig bleiben alle unverdaulichen pflanzlichen Bestandteile, also Ballaststoffe. Unter dem Begriff Rohasche werden sämtliche Rückstände einer Verbrennung des Futters bei 550°C zusammengefasst. Dies können alle möglichen anorganischen Substanzen, also Mineralstoffe, aber auch Sand oder ähnliche Verunreinigungen sein.

 

Die optimalen Anteile sind kaum zu verallgemeinern und abhängig von der Konstitution des Hundes (guter oder schlechter Futterverwerter, quirlig oder geruhsam usw.), ferner frisst kein Hund Prozente, es können lediglich Richtwerte angegeben werden, Bedarf und tatsächliche Zufuhr müssen immer noch individuell über die benötigten und vorhandenen Grammzahlen errechnet und abgeglichen werden.

Ein von den Zutaten her hochwertiges Futter für einen ausgewachsenen, normal aktiven Hundes sollte 18% Proteinanteil nicht unter- und 24% nicht überschreiten, der Fettanteil sollte zwischen 8 und 13% liegen. Sind die Proteine und Fette gut verwertbar und liegen signifikant über diesen Werten, wird der Hund zwangsläufig zunehmen und / oder eine erhöhte Aktivität an den Tag legen.

Bei Hunden, die überdurchschnittliche körperliche Leistungen erbringen müssen, ist der Fettwert entsprechend zu erhöhen.

Der optimale Rohascheanteil liegt zwischen 4 und 7%. Darunter ist es schwierig, eine ausreichende Mineralienversorgung sicher zu stellen. Anteile über 7% gehen entweder mit einer Verunreinigung des Futters einher oder sind auf eine Überdosierung von Mineralstoffen zurück zu führen, welche entweder eingelagert oder aufwändig entsorgt werden müssen - beides verursacht Schäden. Außerdem wirkt sich ein hoher Rohaschewert nachteilig auf den Verdauungsprozess aus, da die Magensäure bevorzugt mit Basen, also Mineralien, reagiert und so zu wenig Magensäure für die Aufspaltung des restlichen Futters bleibt.

Der Anteil an Rohfaser sollte 2 bis 4% betragen. Um die Darmgesundheit zu sichern und Verstopfungen zu vermeiden, sollten die 2% nicht unterschritten werden. Zuviel Rohfaser hingegen sorgt für eine zu schnelle Darmpassage des Futters, so dass Nährstoffe nicht mehr schnell genug aufgenommen werden können und die Verdaulichkeit des Futters sinkt.

 

Analyse

 

Da der Gehalt an Inhaltsstoffen lediglich Grenzwerte bestimmter Grupngeben muss, sollte von jedem Hersteller eine vollständige Analyse zubekommen sein. Eine solche Analyse muss dann die im Labor ermittelten Durchschnittswerte aller enthaltenen Nährstoffe wiedergeben.

einer vollständigen Analyse sind beispielsweise die konkreten Werte fürVitamine und Mineralien ablesbar, gebildet aus natürlich enthaltenen und künstlich hinzugefügten. Angaben zu Aminosäuren bzw. deren Verhältnis untereinander lassen Aussagen über die Qualität der Fleischquelle zu, und man sollte erfahren, wie hoch die Rohprotein- und Rohfettwerte tatsächlich sind - leider ziehen sich die meisten Hersteller hier auch in der Analyse auf Grenzwerte zurück.

 

Kleines Deklarationslexikon

A

Antioxidans / Antioxidantien: Zellschützer und Konservierungsmittel

Ascorbinsäure: Vitamin C

Ascorbyl Palmitat: synthetische, fettlösliche Form des Vitamin C

Aspergillus: Schimmelpilz, in gebräuchlicher domestizierter (= gentechnisch veränderter) Form ungiftig; Konservierungsmittel; Prebiotikum

Autolysat: Produkt der Selbstauflösung absterbender Zellen

 

B

Bäckereierzeugnisse: Brot, Nudeln etc., können als Zuckerversteck dienen

Bierhefe: Nebenprodukt bei der Biergärung, reich an B-Vitaminen und Protein

Biotin: Vitamin B8

Blut: natürlicher Mineralienlieferant

Blutmehl: getrocknetes Blut

brauner Reis: unpolierter Reis ohne Keim

Braureis / Bierreis: Abfallprodukt aus der Bierherstellung, laut AAFCO (also nur gültig für amerikanische Futtersorten) auch kleinere oder gebrochene Reiskörner

 

C

Cellulose: unverdauliche Zellwandbestandteile (Ballaststoffe), z.B. Getreidehülsen und -spelzen, Stroh

Cerealien: Abfallprodukte aus der Müsliherstellung

cheliert / Chelat: an ein Eiweißmolekül (organisch) gebunden, daher leichter verdaulich Chloride / -chlorid: chemische Verbindungen mit Chlor (Salze)

Cholin: B-Vitamin, das der Hund bei ausreichender Aminosäurenversorgung selbst synthetisieren kann

Chondroitin: Stoffwechselprodukt des Glucosamins mit gleichen Eigenschaften, allerdings weniger gut verdaulich

 

D

dehydriert: getrocknet

Digest: chemisch vorverdautes tierisches Gewebe

DL-Methionin / DL-Lysin: synthetisch hergestellte Aminosäure aus D- und natürlicher L-Form

 

E

EG-/EWG-/EU-Zusatzstoffe: künstliche Konservierungsstoffe wie BHA, BHT, Ethoxyquin

Ei: frisches Ei ohne Schale

Eierzeugnisse: meist Eierschalen (kalziumreich)

Eipulver: s. Volleipulver

Eiweißextrakte: s. Kleber

Elektrolyte: Säuren, Basen und Mengenelemente

 

F

Fisch: Fischfleisch

Fischmehl: getrocknete Fischnebenerzeugnisse und/oder getrocknetes Fischfleisch

Fischnebenerzeugnisse: Fischinnereien und/oder Flossen, Köpfe, Gräten etc.

Fleisch: reines Fleisch ohne Nebenerzeugnisse

Fleischmehl: getrocknetes Fleisch unbekannter Herkunft oder auch "Fleisch"mehl aus Tierkörperbeseitigungsanlagen, also inklusive gespritzter Medikamente, Halsbänder etc. (jeweilige gesetzliche Definition und Übersetzung ins Deutsche beachten!) <TierXY>fleischmehl: getrocknetes Fleisch von TierXY

Folsäure: Vitamin B9

Fructo-Oligosaccaride: Ballaststoffe, Prebiotika

 

G

gemahlenes Getreide: wird mit Stumpf und Stiel gemahlen, z.B. ganze Maiskolben

Getreidemehl: alle Arten von gemahlenem Getreide

Glucosamin: Bestandteil des Bindegewebes, nützlich für Knorpel und Sehnen

Gluten: s. Kleber

Grieben: Überbleibsel beim Auslassen von Speck, Abfallprodukt aus der Talgproduktion

 

H

Hämoglobin: Protein, Farbstoff der roten Blutkörperchen, Eisenlieferant

Hefen: einzellige Pilze, reich an B-Vitaminen und Protein

Hydrolisat: Gelatine / kollagenes Eiweiß tierischer Herkunft, z.B. aus Knochen oder Sehnen

 

I

Inositiol: Vitamin der B-Gruppe, Eigensynthese

Inulin: Ballaststoff, Prebiotikum

 

K

Karamell: erhitzter Zucker

Karbonat: Mineralien in Darreichungsform von Mineralsalzen

Kleber / Kleiber: Schicht zwischen Außenhülle und Mehlkörper eines Getreidekorns, Abfallprodukt bei der Mehlerzeugung, eiweißreich

Kleie: Keim und Randschichten des Getreidekorns, Rückstand aus der Getreideverarbeitung

Knochenmehl: gemahlene Knochen, meist aus Tierkörperbeseitigungsanlagen

Kobalt: Bestandteil des Vitamin B12

Kohlenhydrate: pflanzliche Einfach-, Doppel- oder Mehrfachzucker

künstliche Aromastoffe: nicht in der Natur vorkommende Aromen

 

L

L-Methionin / L-Lysin: natürliche L-Form der Aminosäure, gut verwertbar für den Organismus

Lactobacillus: Ballaststoff, Prebiotikum Lecitin: fettähnlicher Stoff mit hohem Anteil an Omega-6-Fettsäuren

 

M

Maintenance: Aufrechterhaltung; Synonym für bedarfsgerechte Versorgung im Erhaltungsstoffwechsel, also ohne außergewöhnliche Belastungen

Mais: frische Maiskörner/-kolben

Maismehl: getrocknete, pulverisierte Maiskörner/-kolben

Melasse: Nebenprodukt der Zuckerherstellung, besteht zur Hälfte aus Saccharose

melassiert: mit Melasse überzogen

Menadion: Vitamin K3

Molkereierzeugnisse: Käse, Milchpulver, Molke etc., können als Zuckerversteck dienen

 

N

Natriumchlorid: Kochsalz

Natriumsulfat, -bisulfat, -nitrit: Konservierungsmittel mit schädlichen Nebenwirkungen

natürliche Aromastoffe: isoliert aus einem natürlichen Aromaträger oder biotechnologisch hergestellt naturidentische Aromastoffe: den natürlichen A. chemisch gleich, durch chemische Synthese hergestellt

N-freie Extraktstoffe, stickstofffreie Extraktstoffe: Kohlenhydrate

Nikotinsäure / Niacin / Nicotinamid: Vitamin B3

 

P

Pantothensäure: Vitamin B5

Perlgraupen: geschälte und geschliffene Gerste

pflanzliche Eiweißextrakte: Rückstand aus der Herstellung pflanzlicher Öle, meist Sojaprodukte

pflanzliche Nebenerzeugnisse: Rückstände und Abfälle aus der Lebensmittelerzeugung, z.B. Reisstärke, Grannen, Erdnussschalen

pflanzliche Öle und Fette: Fette pflanzlichen Ursprungs, z.B. Sonnenblumen-, Olivenöl, Kakaobutter, hoher Anteil ungesättigter Fettsäuren

Potassium / Potasche: Kalium

-proteinat: s. cheliert

Pyridoxin: Vitamin B6

 

R

Reis: weißer Reis

Riboflavon: Vitamin B2

Rübenfasern: s. Trockenschnitzel

Rübenschnitzel / Rübenmark: Zuckerrübenmark, Nebenprodukt aus der Zuckerherstellung

 

S

Saccharose: Haushalts-/Rohrzucker

Salz: Natriumchlorid

Schälkleie: Abfallprodukt aus der Mehlproduktion, Außenhülle des Getreidekorns, wertlos, hoch belastet, nicht mit Kleie zu verwechseln

Schrot: ganze gemahlene Getreidekörner

Sodium / Soda: Natrium

Soja: für Hunde im Vergleich zu Fleisch minderwertiger Eiweißlieferant

Stärke: Kohlenhydrat, Einfachzucker

Sulfate / -sulfat: chemische Verbindungen mit Schwefelsäure (Salze), erhöhen die Verdaulichkeit des gebundenen Stoffes

Supplement: Zusatz

 

T

Talg: eingeschmolzenes tierisches Fettgewebe

Thiamin: Vitamin B1

tierische Nebenerzeugnisse: nicht für den menschlichen Verzehr geeignete Schlachtabfälle

tierische Öle und Fette: Fette tierischen Ursprungs, z.B. Talg, Schmalz, gebrauchtes Fritierfett; hoher Anteil gesättigter Fettsäuren

Tiermehl: mit Haut und Haar (also auch Halsbändern, Medikamenten etc.) getrocknetes Tier jedweder Art, stammt oft aus Tierkörperbeseitigungsanlagen

Tocopherole: Vitamin E

Trockenschnitzel: getrocknete Rübenschnitzel © www.hund-und-futter.de

 

V

Volleipulver: getrocknetes Ei (Eiweiß + Eigelb)

Vollkorngetreide: Getreide mit Randschichten und Keim

 

W

weißer Reis: Reis ohne Keimling und Außenschicht

 

Zutaten

 

Fleisch & Fisch

 

Fleisch ist in der Hundeernährung die größte Bedeutung beizumessen, da die gesamte Hundeorganismus auf die Verdauung von Beutetieren ausgelegt ist.

Diese besonders hochwertige Eiweißquelle enthält die für den Hund optimale Aminosäurenzusammensetzung, die Verdaulichkeit von fettarmem Fleisch liegt bei 98% (Ausnahme: Schweinefleisch, dessen Wertigkeit niedriger ist). Der Proteingehalt hochwertiger Fleischquellen beträgt mindestens 18% in der Frisch- und dementsprechend 50% in der Trockensubstanz.

 

Die Wertigkeit einer Fleischquelle lässt sich am ehesten aus dem Anteil der besonders hochwertigen Aminosäuren Lysin und Methionin ersehen. Allerdings ist darauf zu achten, dass diese Säuren in der Analyse, nicht bei der Zusammensetzung stehen. In letzterem Fall wurden sie künstlich zugefügt und sagen nichts über die Qualität des Fleisches aus. Außerdem können diese Säuren auch in anderen Komponenten, wie z.B. Flachsöl enthalten sein, sind ergo nicht zwangsläufig ein Indikator für eine hochwertige Fleischquelle.

 

Weiterhin ist bei importiertem, insbesondere amerikanischem Futter die genaue Bezeichnung der Fleischquelle von Bedeutung: Die Silbe "fleisch" muss auf jeden Fall enthalten sein, um eine hochwertige Eiweißquelle zu gewährleisten. <TierXY>fleischmehl ("<TierXY>meal")steht für reines, getrocknetes Fleisch, <TierXY>fleisch ("<TierXY>") ist ebenfalls rein, allerdings geben die Werte das Gewicht vor dem Trocknen, also dem Entziehen der Feuchtigkeit (immerhin rund 65%) an. Im Endprodukt rutscht der Fleischanteil damit um einige Plätze nach hinten. Wird die Eiweißquelle einfach nur mit <TierXY> ("<TierXY>-by-product") bezeichnet, handelt es sich um tierische Nebenerzeugnisse, <TierXY>mehl ("<TierXY>-by-product-meal") bezeichnet dementsprechend getrocknete tierische Nebenerzeugnisse. Da es im deutschen Futtermittelrecht die Unterscheidung zwischen <TierXY> und <TierXY>fleisch und den entsprechenden Mehlen nicht gibt, lässt sich bei deutschen Futter auch nicht feststellen, ob Fleisch oder Nebenprodukte verwendet wurden. Um sicher zu gehen, dass kein findiger Importeur die deutsche Gesetzgebung ausgenutzt hat, sollte man sich bei amerikanischem Futter immer auch die Originalzusammensetzung angeschaut haben.

 

Bei jeder tierischen Proteinquelle wird natürlich nur die Zutat als solche deklariert. Schädliche Substanzen, mit denen das geschlachtete Tier oder sein Futter zuvor behandelt wurden, finden keine Erwähnung. Ferner bedeutet deklariertes <TierXY>fleischmehl, dass die Komponente bereits als Mehl angeliefert wurde - Zusatzstoffe, die der Produzent dieses Mehls bereits zugefügt hat, müssen vom Futtermittelhersteller nicht deklariert werden.

 

Fisch stellt eine ebenfalls hochwertige Alternative zu Fleisch dar. Er hat einen hohen Anteil an Vitamin D und ungesättigten Fettsäuren, der allerdings nur bei frischem Fisch zu Buche schlägt, dem Fischmehl sind die Öle und damit auch das Vitamin D sowie die ungesättigten Fette entzogen.

 

Da es kein Fertigfutter gibt, das allein auf Fleisch-/Fischbasis aufgebaut ist, die Aminosäurenzusammensetzung des fleischlichen Proteins aber die für den Hund ideale ist, sollte das Futtermittel dem Rechnung tragen, indem die nicht-fleischlichen Inhaltsstoffe so gewählt werden, dass das Gesamtfutter ein dem des Fleisches ähnliches Aminosäurenverhältnis aufweist.

Die folgende Tabelle enthält exemplarische Aminosäurengehalte, an denen man sich beim Vergleich der Relationen orientieren kann:

 

Aminosäure     Rindfleisch      Hühnerfleisch Lachs

Arginin            1,52 %            1,17 %            1,21 %

Cystein            0,19 %            0,25 %            0,22%

Histidin           0,66 %            0,54 %            0,6 %

Isoleucin         0,9 %              0,92 %            0,97 %

Leucin             1,6 %              1,35 %            1,64 %

Lysin               1,82 %            1,51 %            1,9 %

Methionin        0,53 %            0,49 %            0,61 %

Phenylalalin    0,83 %            0,72 %            0,79 %

Taurin             0,36 %            0,34 %            k.A.

Theonin           0,85 %             0,77 %            0,91 %

Tryptophan     0,25 %            0,2 %              0,23 %

Tyrosin            0,83 %            0,6 %              0,7 %

Valin               1,1 %              0,9 %              1,12 %

 

Getreide & Kartoffeln

 

Getreide ist sehr reich an Kohlenhydraten und hat eine relativ hohe Akzeptanz. Allerdings steht es nicht auf dem natürlichen Speiseplan eines Hundes: Die Zeit, in der Getreide überhaupt erntbar ist, beschränkt sich auf wenige Wochen des Jahres, und selbst das würde dem Hund wenig nutzen, da er Zellulose, den Baustoff pflanzlicher Zellwände, nicht verwerten kann und somit Getreide unverdaut wieder ausscheiden müsste. Einziger Berührungspunkt mit Getreide wären also die Mägen im Herbst erjagter Kleinstbeutetiere.

 

Will man allerdings dem im Vergleich zum Wildhund deutlich niedrigeren Proteinbedarf des Haushundes gerecht werden, kommt man um den Einsatz von Getreide nicht herum. So lange es in aufgeschlossenem Zustand vorliegt, ist es ein adäquater Energielieferant.

 

Besonders hochwertig sind Vollkornprodukte (im Englischen als "whole-meal", nicht als "ground" bezeichnet), da sie noch die Randschichten und damit wertvolle Eiweiße, Vitamine und Mineralien enthalten.

 

Wichtig ist das Verhältnis von Fleisch und Getreide. Hierbei muss berücksichtigt werden, dass Getreide so gut wie kein Wasser enthält, also in der Feucht- ungefähr so viel wie in der Trockensubstanz wiegt.

Ein zu hoher Getreideanteil macht sich durch Unausgeglichenheit und breiigen, hellen Kot bemerkbar.

 

Kartoffeln sind proteinarme und kohlenhydratreiche Nahrungsmittel, sie enthalten eine Reihe wertvoller Nährstoffe und sind ein adäquater Getreideersatz.

 

Fett

 

Fett ist ein in der Hundeernährung unentbehrlicher Energieträger, der sowohl Depotfette in Form gesättigter Fettsäuren als auch z.B. für den Zellstoffwechsel lebensnotwendige Nährstoffe in Form ungesättigter Fettsäuren bereit stellt. Sein Brennwert ist mindestens doppelt so hoch wie bei Protein und Kohlenhydraten, daher sollte der Fettanteil der Nahrung stets deutlich hinter dem der anderen Energieträger zurück bleiben.

 

Der Fettanteil eines Hundefutters setzt sich aus den bereits in den Ausgangsprodukten (v.a. Fleisch) befindlichen und den extra zugesetzten Fetten (z.B. Pflanzenöl) zusammen.

 

Besonders hochwertige tierische Fette sind Lamm- und Geflügelfett. Öle sind zumeist pflanzlich und bestehen aus ungesättigten Fettsäuren. Diese ungesättigten Fettsäuren unterteilen sich in einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Einfach ungesättigte Fettsäuren kommen meist als Omega-9-Fettsäure vor und finden sich beispielsweise in Oliven- oder Rapsöl. Sie sind den gesättigten Fettsäuren sehr ähnlich und stellen für den Hund keine große Bereicherung dar, zumal sie der Körper selbst synthetisieren kann.

Die mehrfach ungesättigten Fettsäuren bestehen aus Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren. Omega-6-Fettsäuren ("Linolsäure") sind u.a. wichtig für die Hautgesundheit, die Ausscheidung giftiger Stoffe und den Muskelaufbau. Allerdings begünstigen sie auch Entzündungen, Tumorentstehung und -wachstum sowie Herzerkrankungen. Omega-3-Fettsäuren ("Linolensäure") wirken dem entgegen. Außerdem beeinflussen sie das Nervensystem positiv, sind Bestandteil der Zellwände und stärken die Sehfähigkeit. Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren haben nicht nur teilweise gegenteilige Wirkungen, sie sind auch Gegner bei der Resorption. Bei überwiegender Omega-6-Zufuhr werden also Omega-3-Fettsäuren gar nicht mehr verstoffwechselt. Das optimale Gesamtverhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren liegt bei maximal 1:5. Ein besonders hochwertiges Pflanzenöl ist Leinöl, das viermal mehr Omega-3- als Omega-6-Fettsäuren enthält. Tolerable Fettsäurenverhältnisse weisen außerdem Walnuss-, Raps- und Hanföl auf. Besonders ungünstig ist das Verhältnis z.B. in Sonnenblumen- oder Distelöl mit einem hohen Omega-6-Anteil und keinen Omega-3-Fettsäuren. Einen besonders hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren haben Fischöle.

 

Da Hunde sowohl tierische als auch pflanzliche Fette benötigen, sollten beide im Futter enthalten sein.

 

Milch& Eier

 

Milch hat zwar eine sehr gute Nährstoffzusammensetzung, ist aber wegen der enthaltenen Laktose (Milchzucker) nur bedingt für das Verdauungssystem eines erwachsenen Hundes geeignet. Laktose muss, um verdaut werden zu können, im Dünndarm durch das Enzym Laktase gespalten werden. Im Welpenalter wird dieses Enzym noch gebildet, um die Muttermilch verwerten zu können. Da für den erwachsenen Hund jedoch keinerlei Notwendigkeit besteht, sich von Milch zu ernähren, wird die Produktion der Laktase bald eingestellt. Unverdaute Laktose wird meist mit Durchfällen bestraft. Daher sollte ein Anteil von 20ml je kg Körpergewicht an der Tagesration nicht überschritten werden. Sie ist besonders reich an hochwertigen Aminosäuren, Mineralstoffen und Vitaminen.

 

Milchprodukte wie z.B. Magermilchpulver oder Hüttenkäse stellen eine sinnvolle Alternative dar, da die enthaltene Milch bereits vergoren ist und somit besser vertragen wird.

 

Eier sind hochwertige Eiweißlieferanten und enthalten viele essentielle Fettsäuren und Mineralstoffe, besonders Eierschalen sind sehr kalziumreich. Negative Nebenwirkungen sind bei verarbeiteten, also gekochten Eiern nicht bekannt, lediglich auf rohes Eiklar sollte verzichtet werden, da das im Eiklar in großen Mengen enthaltene Avidin nicht nur das Biotin des Eigelbs vollständig bindet, sondern darüber hinaus auch jedes andere verfügbare Biotin.

 

Gemüse & Kräuter

 

Gemüse ist in erster Linie ein Ballaststofflieferant. Es enthält aber auch wichtige Mineralstoffe und Vitamine. Da die Verdauung eines Beutefressers jedoch auf die Verwertung tierischer Nahrungsquellen ausgelegt und Gemüse als Energielieferant schlichtweg untauglich ist, sollte es in der Zutatenliste einen der hinteren Plätze einnehmen.

 

Pflanzliche Zellwände bestehen aus Zellulose. Der Hund hat mit seinem Beutegreifergebiss nicht die Möglichkeit, sie durch Kauen zu zerstören und ihm fehlen ebenfalls sowohl im Magen als auch im verhältnismäßig kurzen Darm die Möglichkeiten, diese Zellwände zu knacken. Daher muss alle pflanzliche Kost in bereits aufgeschlossenem Zustand vorhanden sein.

 

Einigen Hundefuttern wird Knoblauch zugesetzt. Knoblauch gehört zu den Zwiebelgewächsen. Zwiebelgewächse führen bei einigen Tierarten, so auch bei Hunden, zur Hämolyse, also dem übermäßigen Verlust von Erythrozyten (= rote Blutkörperchen). Diese Erythrozyten haben per se eine beschränkte Lebensdauer, werden also nach einem bestimmten Lebenszyklus abgebaut und durch neue Erythrozyten ersetzt. Zwiebelgewächse enthalten Schwefelverbindungen, die Erythrozyten zum Platzen bringen. Diese zusätzliche Zerstörung kann nicht oder nicht schnell genug ausgeglichen werden, so dass es zu einem Erythrozytenmangel, also zu Leistungsabfall bis hin zur Anämie (Blutarmut) kommen kann. Schwere Vergiftungserscheinungen treten frühestens ab einer Aufnahme von 5g Knoblauch pro kg Körpergewicht auf, doch die Zerstörung roter Blutkörperchen setzt nicht erst ab einem Schwellenwert, sondern bereits bei der Aufnahme von Kleinstmengen ein und sollte vermieden werden.

 

Kräuter sind ebenfalls sehr ballast- und mineralstoffreich. Ihre Wirksamkeit in Bezug auf gewisse Krankheitsbilder ist unbestritten, allerdings erhöhen Kräuterzusätze den Rohfaser- und Rohascheanteil in einem nur schwerlich vertretbaren Maße und reichen in der im Futter üblichen Dosierung als Arznei nicht aus.

 

Nebenerzeugnisse

 

Nebenerzeugnisse sind alle Produkte, die nicht für den menschlichen Verzehr geeignet sind. Die wundervolle Welt der Nebenerzeugnisse ist schwierig zu durchschauen, und da in Nebenprodukten keine Nährstoffe enthalten sind, die nicht auch von anderen Komponenten geliefert werden könnten, sollte im Zweifelsfall von Futtern mit undefinierten Nebenerzeugnissen abgesehen werden.

 

Per definitionem sind tierische Nebenerzeugnisse: Erzeugnisse aus der Verarbeitung von Tierkörpern oder Teilen von Tierkörpern warmblütiger Landtiere. Also Schlachtabfälle. Schlachttiere werden nach geltendem Recht in "Fleisch", also alle Teile, die für den menschlichem Verzehr geeignet sind, und "tierische Nebenerzeugnisse" unterteilt. Die Nebenprodukte ihrerseits werden nochmals in drei Kategorien unterteilt. Material der Kategorie 3 darf in Tierfutter verarbeitet werden. Hierzu zählen z.B. Häute, Hufe, Blut, Federn, Mägen, Därme, Lunge, Grieben, Sehnen, Knochen und Tiermehl, wobei Letzteres als Versteck für Schlimmeres dienen kann. Futter, bei dem enthaltene Nebenerzeugnisse nicht zu 100% offen deklariert werden, muss als minderwertig eingestuft werden.

 

Findige Futtermittelhersteller setzten einst die Mär vom Wolf, der sich zuerst auf den Beutetiermagen stürze, in die Welt. Tatsächlich werden lediglich die Mägen von Kleinstbeutetieren mitgefressen, ohne Nahrungsknappheit werden die Mägen größerer Beutetiere nicht einmal angenagt. Dennoch hält sich diese Geschichte zur Rechtfertigung der Beifügung von Nebenerzeugnissen und teilweise sogar eines hohen Anteils pflanzlicher Komponenten am Gesamtfutter hartnäckig.

 

Unter den pflanzlichen Nebenprodukten ist ausschließlich minderwertiges Material zu finden. Hierzu zählen z.B. Melasse, Erdnussschalen und Rübenschnitzel.

Nebenerzeugnisse sind meist in Futtersorten derjenigen Hersteller zu finden, die einem großen Lebensmittelkonzern angehören und Tierfutterherstellung als Abfallverwertung betreiben, es lohnt sich also immer, einen Blick hinter den Markennamen zu werfen.

 

Zusatzstoffe

 

Zusatzstoffe bezeichnen alle synthetischen Zusätze des Futters. Hierzu gehören synthetisierte Nährstoffe, aber auch Geschmacksverstärker, Farbstoffe und Konservierungsstoffe.

 

Geschmacksverstärker sind schädlich und sollten in einem hochwertigen Futter auch nicht notwendig sein, weder künstliche Aromastoffe noch natürliche Verstärker wie Zucker oder Karamel. Das gleiche gilt für Farbstoffe.

 

Konservierungsstoffe sind erforderlich, um dem Futter eine Mindesthaltbarkeit zu geben. Die gängigste Form des Haltbarmachens ist die Konservierung mit Hilfe von Antioxidantien. Natürliche Antioxidantien sind Vitamin C und E, auch und gerade in synthetischer Form sind sie rein künstlichen Laborerzeugnissen vorzuziehen, da sie zwar der Natur nachempfunden, dabei aber stabil genug sind, Fett zwölf Monate lang vor dem Ranzigwerden zu schützen. Künstliche Konservierungsstoffe wie BHA/BHT können allerdings bereits in den Ausgangsprodukten enthalten sein, ohne dass sie deklariert werden müssen.

Schädliche, weil dem Organismus in kaum einer Weise entsprechende Antioxidantien sind BHA, BHT, Ethoxyquin und Propylgallat. Derlei Zusätze werden gern hinter dem Begriff "EWG-Zusatzstoffe" versteckt, ein gutes Hundefutter sollte auch frei davon sein.

 

Die häufigsten Zusatzstoffe:

E201 - Natriumsorbat

E202 - Kaliumsorbat

E203 - Kalziumsorbat

E300 - Vitamin C

E301,302,304,316 - Vitamin-C-Verbindungen

E306-309 - Vitamin E

E310 - Propylgallat

E320 - Butylhydroxyanisol (BHA)

E321 - Butylhydroxytoluol (BHT)

E324 - Ethoxyquin

 

Wasser

 

Trockenfutter haben einen durchschnittlichen Feuchtigkeitsgehalt von 10%. Zum Vergleich: Der Körper des Hundes besteht zu 60%, die aufgenommenen Teile eines Beutetieres bestehen sogar zu 70% aus Wasser. r kann der Hundeorganismus im Bedarfsfall auch Wassaus der Verbrennung von Energieträgern (Proteine, Fette, Kohlenhydrate) gewinnen, Optimum bleibt aber eine ausreichende Wasserzufuhr von außen.

 

Wie alle anderen Nährstoffe wird auch Wasser nach der Aufnahme vom Verdauungstrakt aus bedarfsgerecht im Körper verteilt. Und schon diese Verteilung erfordert einen angemessenen Wasseranteil, da das Blut als Transportweg ohne ausreichend Wasser zähflüssig werden und die Pumpe Herz unnötig belasten würde. Ferner ist Wasser wichtig für den Säuren-Basen-Haushalt (also den pH-Wert), als Lösungsmittel und bei diversen enzymatischen Reaktionen. Von entscheidender und sehr plastischer Bedeutung ist die Rolle des Wassers im Wärmehaushalt des Körpers: Bei erhöhter Körpertemperatur (z.B. bei Hitze) wird Wärme vornehmlich über Wasserdampf (Hecheln) abgegeben.

 

Ausgeschieden wird Wasser also sowohl über die Lunge (Atem) als auch über Darm (Kot) und Nieren (Urin). Die Abgabe über die Nieren macht hierbei nur 25% der aufgenommenen Wassermenge aus, woran sich ungefähr ermessen lässt, wieviel Wasser anderweitig verarbeitet wird.

 

Ein erwachsener Hund benötigt etwa 70ml Wasser pro kg Lebendgewicht täglich.

 

Nährstoffe

 

Proteine

Proteine sind aus Aminosäuren aufgebaute Moleküle. Ein Teil dieser Aminosäuren kann vom Hund synthetisiert werden, der andere und bei weitem größere Teil ist essentiell, muss also über die Nahrung zugeführt werden.

 

Protein ist unerlässlich für Aufbau und Erhaltung der Körpersubstanz. Als Bausubstanz ist es Bestandteil jeder einzelnen Zelle, besonders wichtig für Knochen, Sehnen und Muskeln. Als Wirkstoffe übernehmen Proteine wichtige Aufgaben im Stoffwechsel, sind sowohl an der Steuerung wie auch am Transport beteiligt. Außerdem spielen sie eine entscheidende Rolle im Immunsystem.

 

Über die Nahrung aufgenommenes Protein wird zunächst im Magen-Darm-Trakt in Aminosäuren zerlegt. Von dort aus gelangen sie zur Leber, dem zentralen Verteiler, der die Aminosäuren zu den Körperteilen schickt, wo sie benötigt werden. Werden sie dort als Bausubstanz benötigt, müssen sie wieder zu Proteinen zusammen gebaut werden. Die Aminosäurestruktur der benötigten Proteine ist hierbei vorgegeben. Fehlt eine Aminosäure in dieser Struktur ("limitierende Aminosäure"), so kann das Protein nicht gebildet werden. Bei einer unausgewogenen Zufuhr essentieller Aminosäuren kann also Körpersubstanz nicht oder nur in unzureichendem Maße gebildet werden und z.B. Muskelschwäche auftreten.

 

Der Eiweißbedarf eines Hundes mit normaler Aktivität und mit über 30kg Lebendgewicht liegt bei 2g je kg Körpergewicht und Tag, dieser Bedarf steigt mit sinkendem Lebendgewicht, so dass ein Hund von 5kg Lebendgewicht bereits 3g je kg Körpergewicht benötigt. Diese Angaben beziehen sich auf verdauliches Protein, nicht auf Rohprotein.

 

Durch die Beteiligung des Proteins an nahezu allen lebenswichtigen Prozessen im Körper wirkt sich auch ein Mangel oder eine Überversorgung vielfältig aus. Das Immunsystem wird bei einem Mangel geschwächt, der Körper nicht mehr entgiftet und Körpersubstanz nicht mehr synthetisiert. Äußerliche Anzeichen eines Proteinmangels sind Untergewicht, Trägheit und ein stumpfes Fell. Eine Überversorgung schädigt ebenfalls Stoffwechsel und Körpersubstanz, vor allem die Knochen, aber auch Leber und Niere werden über Gebühr belastet. Erste äußerliche Anzeichen sind Übergewicht (ungenutztes Protein wird zu Fett umgebaut), verfärbter/stinkender Urin (Protein wird zu Harnstoff abgebaut) sowie Aas- und Kotaufnahme (enthält Basen, die der Übersäuerung entgegen wirken).

 

Tierisches Eiweiß hat eine höhere Wertigkeit als pflanzliches, da die enthaltenen Aminosäuren dem Körpereiweiß des Hundes eher entsprechen und somit verdaulicher sind. Verdaulichkeit tierisches Protein: ~ 95%, Verdaulichkeit pflanzliches Protein: ~ 65%

 

Fette

 

Ein Fettmolekül besteht zunächst aus einem Träger und drei Fettsäuren. So lange diese Verbindung besteht, ist es unverdaulich. Im Dünndarm wird es mithilfe der Galle und Fett spaltender Enzyme aus r Bauchspeicheldrüse zerlegt, so dass die Fettsäuren frei werden und verwertet werden können. Die Gruppe der Fette wird grob in gesättigte und ungesättigte Fette unterteilt, abhängig davon, ob die Atome, aus denen ihre Fettsäuren bestehen, gesättigt oder frei sind. Eine ungesättigte Fettsäure enthält im Gegensatz zu einer gesättigten mindestens zwei nebeneinander liegende, nicht gänzlich umschlossene Atome. Diese Atome können sich mit anderen Stoffen chemisch verbinden. Außerdem bilden sie einen raumgreifenden Knick, daher sind ungesättigte Fette flüssiger als gesättigte.

 

Gesättigte Fette dienen in erster Linie der Energiezufuhr und -reserve. Im Vergleich zu Protein können sie das Zweieinhalbfache an Energie speichern, da die Energie nicht an Wassermoleküle gebunden werden muss. Die Depotfette sind zum Erhalt der Körpertemperatur und auch als Polsterung (z.B. um Organe) unerlässlich. Man findet gesättigte Fette hauptsächlich in tierischen Nahrungsquellen wie Fleisch oder Butter. Bei ausreichender Kohlenhydrat(Glucose)- und Eiweißversorgung können gesättigte Fettsäuren auch vom Körper selbst gebildet, müssen also nicht unbedingt zugeführt werden.

 

Mehrfach ungesättigte Fette hingegen sind meist essentiell und kommen vor allem in pflanzlichen Ölen und Fisch vor. Sie regulieren Stoffwechselvorgänge im Körper und sind wesentliche Bestandteile aller Körperzellen, vor allem aber des Nervensystems. Man unterteilt mehrfach ungesättigte Fette in Omega-3- und Omega-6- Fettsäuren.

 

Der Hundekörper besteht zu immerhin 20% aus Fett, der tägliche Bedarf an verdaulichem Fett liegt bei 1g pro kg Körpergewicht.

 

Fettmangel äußert sich z.B. in Untergewicht und Apathie. Fettlösliche Vitamine werden unwirksam, die Zellsubstanz wird angegriffen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen können die Folge sein. Beim Fehlen ungesättigter Fette kommt es vor allem zu Haut- und Haarproblemen.

 

Ein überversorgter Hund neigt zu Übergewicht, das mit einer Verfettung lebenswichtiger Organe einher geht.

 

Kohlenhydrate

 

Kohlenhydrate machen den Hauptanteil der Nahrung aus, sie sind in nahezu allen Nahrungsmitteln enthalten, ohne extra ausgewiesen zu werden. Im Bedarfsfall können sie im Hundekörper auch aus den anderen Energieträgern (Fett und Protein) synthetisiert werden. Kohlenhydrate sind Saccharide, also Zucker, die in Einfach-(Fruchtzucker/Glucose), Zweifach- (z.B. Haushaltszucker, Milchzucker) und Vielfachzucker (z.B. Stärke) unterteilt werden.

 

Das wichtigste Kohlenhydrat ist Glucose. Alle aufgenommenen Kohlenhydrate werden im Körper zu Glucose abgebaut. Glucogen ist die Speicherform der Glucose. Dieser Vielfachzucker wartet eingelagert in der Muskulatur auf seinen Einsatz, der dann erfolgt, wenn kurzfristig Energie benötigt wird. Ist das Glucogen verbraucht, wird auf Fettreserven zurückgegriffen.

 

Glucose liefert vielen Zellen und Geweben lebenswichtige Energie, für einige davon, wie beispielsweise Blutzellen und Gehirn, ist sie sogar der einzige Energielieferant. Glucose braucht Insulin, um in die sie benötigenden Zellen zu gelangen. Insulin wird von der Bauchspeicheldrüse gebildet und ausgeschüttet, sobald Kohlenhydrate aufgenommen werden.

 

Hauptlieferanten für Kohlenhydrate sind Getreide und Kartoffeln. Da Hunde nicht viele Kohlenhydrate brauchen, jedes handelsübliche Trockenfutter aber mindestens eine Kohlenhydratquelle enthält, hat eine Unterversorgung bei mit Fertigfutter ernährten Hunde Seltenheitswert. Eine Überversorgung hemmt die Proteinverwertung und ist äußerlich an Übergewicht erkennbar, da Glucose nicht in unbegrenzten Mengen eingelagert werden kann und nicht eingelagert zu Fett umgebaut wird.

 

Ballaststoffe

 

Ballaststoffe sind unverdauliche Kohlenhydrate, die vornehmlich in Gerüstsubstanz und Randschichten (Schale) von Pflanzen vorhanden sind. Diese Fasersubstanzen sind vor allem in (Vollkorn-)Getreide, Hülsenfrüchten und Gemüse zu finden, zum Beispiel in Form von Zellulose.

 

Trotz ihrer Nichtverwertbarkeit haben sie einen hohen Stellenwert in der gesunden Ernährung, da sie in ihrer Funktion als Füll- und Quellstoffe in Zusammenwirkung mit Wasser die Darmtätigkeit regulieren: Ballaststoffe haben eine sehr hohe Quellfähigkeit, kommen sie also mit Wasser in Berührung, so vergrößert sich ihr Volumen um ein Vielfaches. Das passiert im Darm, wo durch den Druck der aufgequollenen Nährstoffe auf die Darmwände die Darmtätigkeit angeregt wird. Das Futter verweilt damit kürzer im Dickdarm, wo dem Futter mit wachsender Verweildauer auch immer mehr Wasser entzogen wird. Eine schnellere Dickdarmpassage beugt also Verstopfung und auch Gärung vor.

 

Ferner binden sie Stoffwechselschlacken und Schadstoffe und sorgen für ihren Abtransport. Aber auch andere Organe und der Fettstoffwechsel profitieren von dieser Kohlenhydratgruppe.

 

Eine besondere Form der Ballaststoffe sind die Prebiotika. Prebiotika sind künstlich hergestellte Mikroorganismen, die die Darmflora günstig beeinflussen sollen. Ob sie den Darm beim Hund je erreichen, ist aufgrund seiner aggressiven Magensäure zweifelhaft. Falls ja, wird die Verdaulichkeit und Verträglichkeit des Futters signifikant erhöht. Prebiotika werden dem Futter oft in Form von Oligosacchariden oder Lactobacillen zugefügt.

Der Ballaststoffanteil der Nahrung sollte zwischen 2 und 4% liegen. Ein Mangel an Ballaststoffen ist äußerlich an Verstopfung erkennbar und kann zu Magen-Darm-Erkrankungen führen. Ein zu hoher Anteil ist bei Hunden auf Grund ihres relativ kurzen Darms schnell erreicht und kann die Mineralstoffversorgung stören und die Verdaulichkeit des gesamten Futters beeinträchtigen. Ferner kommt es zu weichen und großen Kotmengen.

 

Vitamine

 

Vitamine sind organische Verbindungen mit lebenswichtigen Aufgaben für den Organismus. Bis auf die Vitamine C und K können sie vom Hundekörper nicht oder nicht in ausreichender Menge synthetisiert werden, so dass sie mit der Nahrung aufgenommen werden müssen.

 

Sie werden grob in zwei Gruppen unterteilt: Vitamin A, D, E und K gehören zu den fettlöslichen Vitaminen. Diese Vitamine können nur in Verbindung mit Fett verwertet werden, kommen deshalb natürlich auch meistens in fetthaltigen Nahrungsmitteln vor und werden bei einem Überangebot in den Fettzellen des Körpers gespeichert. Daher kann es bei fettlöslichen Vitaminen zu einer Überversorgung kommen. Vitamin C und die Vitamine des B-Komplexes hingegen sind wasserlöslich, und da Flüssigkeit im Körper stets zur Verfügung steht, sind diese Vitamine auch immer verwertbar und werden gewöhnlich nicht gespeichert, sondern bei Überangebot unverwertet über den Urin ausgeschieden. Diese Vitamine müssen deshalb sehr regelmäßig zur Verfügung gestellt werden, um Unterversorgungen zu vermeiden.

 

Viele Vitamine sind hitze-, licht- oder sogar luftempfindlich. Das Herstellungsverfahren und die Lagerung eines Hundefutters lassen demnach einige Vitamine in ihrer natürlichen Form gar nicht zu. Die im Hundefutter meist genutzte Alternative sind synthetische Vitamine. Unter synthetischen Vitaminen versteht man im allgemeinen im Labor produzierte, den natürlichen Vitaminen nachempfundene Nährstoffe. Ihre Formen entsprechen sich allerdings nicht ganz, die synthetischen Vitamine sind etwas größer und zackiger. Diese Form erschwert die Darmwandpassage, also die Aufnahme des Nährstoffs. Diese Aufnahme erfolgt aber auf jeden Fall. Auch der Ausscheidungsvorgang ist bei einem Überangebot aufwändiger als bei natürlichen Vitaminen. Außerdem unterscheiden sich einige synthetische Vitamine signifikant in ihrer biologischen Aktivität von natürlichen Vitaminen. Diesen Unterschieden soll die Einheit "I.E." Rechnung tragen, indem sie die Wirksamkeit der jeweiligen Vitaminform berücksichtigt.

 

Ferner kommen natürliche Vitamine nie isoliert vor, sondern sind stets in einen ganzen Nährstoffkomplex eingebunden - dies findet bei der Herstellung synthetischer Vitamine meist keine Berücksichtigung. Einige Komponenten eines solchen Nährstoffkomplexes wie z.B. sekundäre Pflanzenstoffe können auch von einem als Rundum-Versorgung konzipierten Hundefutter nicht imitiert werden.

Ob in einem Futter enthaltene Vitamine natürlich oder künstlich synthetisiert sind, kann man aus der Deklaration ersehen: Stehen sie unter "Zusammensetzung", wurden sie künstlich zugefügt, natürlich enthaltene Vitamine findet man nur in der Analyse.

 

Vitamin A

 

Vitamin A (Retinol) kommt eine große Bedeutung für Sehfunktion, Haut, Knorpelgewebe und Immunsystem zu. Es ist bei seiner Aufnahme an bestimmte Fette gebunden. Im Dünndarm werden diese Verbindungen durch Gallensäure und Enzyme zerlegt, von der Dünndarmhaut aufgenommen und dort zum eigentlichen Vitamin A zusammengebaut. Anschließend wird dieses Vitamin in die Leber transportiert und dort gespeichert. Bei Bedarf wird es an ein bestimmtes Protein gebunden über das Blut zum Zielort im Körper gebracht.

 

Das Vitamin selbst ist nur in tierischen Nahrungsmitteln, besonders in Milch und Eigelb zu finden. Seine Vorstufe, das Provitamin A (ß-Karotin), aus dem in der Leber Vitamin A synthetisiert werden kann, kommt nur in pflanzlichen Nahrungsmitteln wie Karotten und Blattgemüse vor. Hierbei gilt: 6,7mg Provitamin A entsprechen 1mg Vitamin A.

Das natürliche Vitamin A ist sehr empfindlich gegen Licht, Hitze und Sauerstoff. Bei falscher Verarbeitung oder Lagerung kann ein Hundefutter so bis zur Hälfte seines Gehalts an natürlichem Vitamin A verlieren.

 

Der tägliche Bedarf liegt bei 75 I.E., entsprechend 22,5 μg, je kg Körpergewicht.

 

Ein Mangel ist aufgrund der Speicherung selten. Bei einer Unterversorgung sind besonders die Augen betroffen, da die Bindehaut wie alle anderen Häute im Körper austrocknet und gleichzeitig eine gerade für Hunde wichtige Funktion des Auges, nämlich die Sicht bei wenig Licht, eingeschränkt wird. Außerdem ist die Infektionsabwehr gestört. Erstes Anzeichen ist meist Appetitlosigkeit.

Wird die Speicherkapazität der Leber überschritten (was durchschnittlich ab 10facher Überdosierung passiert), wird das überschüssige Vitamin A ohne Anforderung ins Blut abgegeben und kann so Hautveränderungen, z.B. Haarausfall, oder Erbrechen verursachen, die Muskelkoordination stören, die Knochen brüchig machen und das Krebsrisiko erhöhen. Um solche Folgen zu vermeiden, ist es ratsam, dieses Vitamin bei erhöhtem Bedarf in Form des Provitamin A (Carotinoide, zum Vitamin-B-Komplex gehörig) zuzuführen, das bei Bedarf in Vitamin A umgewandelt, ohne Bedarf jedoch - im Gegensatz zu den fettlöslichen Vitaminen - wieder ausgeschieden werden kann.

 

Vitamin B1

 

Vitamin B1 (Thiamin) wird über die Darmwand aufgenommen und anschließend zur weiteren Verwendung an Blutproteine gebunden. Diese Bindungen sind aber selten, und so wird der Großteil des aufgenommenen Thiamins schnell wieder ausgeschieden. Vitamin B1 spielt eine Schlüsselrolle beim Kohlenhydratstoffwechsel und ist daher für Organe und Gewebe mit hohem Kohlenhydratumsatz besonders wichtig - dies sind hauptsächlich Nervenzellen. Es gewährt sowohl die Funktion als auch den Schutz von Nerven und Muskeln. Zusätzlich steuert es die Umwandlung von Kohlenhydraten und Fetten in verwertbare Energie.

 

Vitamin B1 -Lieferanten sind u.a. Schweinefleisch, Leber, Ei und Gemüse.

 

Der tägliche Bedarf ist mit 20μg pro kg Körpergewicht recht niedrig, allerdings sind auch die in Lebensmitteln enthaltenen Mengen sehr gering.

 

Da für die Speicherung von Vitamin B1 kaum Kapazitäten bestehen, ist ein Mangel nicht ungewöhnlich. Folgen einer Unterversorgung betreffen häufig das zentrale Nervensystem, der Hund wird also zunächst müde und lustlos. Weitere mögliche Folgen sind Durchfälle sowie Muskelschwäche und bei akutem Mangel Krämpfe, Lähmungserscheinungen und eine Übersäuerung des Blutes bis hin zu Herzmuskelfunktionsstörungen. Auch Kotfressen kann einen Vitamin-B1-Mangel zur Ursache haben.

Wegen seiner Bedeutung im Energiestoffwechsel muss bei erhöhter Energiezufuhr in Form von Kohlenhydraten auf eine erhöhte, in Form von Fetten auf eine gesenkte Vitamin-B1-Zufuhr geachtet werden.

Da überschüssiges Thiamin sehr schnell ausgeschieden wird und der Körper zudem bei steigender Zufuhr die prozentuale Aufnahme drosselt, sind Überdosierungen nicht zu befürchten.

 

Vitamin B2

 

Auch Vitamin B2 (Riboflavin) muss nach der Darmwandpassage an ein Blutprotein gebunden werden, um wirksam werden zu können, ungebundenes Riboflavin wird ausgeschieden. Vitamin B2 beeinflusst entscheidend den gesamten Energiestoffwechsel. Darüber hinaus unterstützt es die Zellatmung und das Sehvermögen.

 

Es findet sich überwiegend in Milchprodukten, Hefe, Eiern und Leber.

 

Der tägliche Bedarf wird mit 50μg je kg Körpergewicht gedeckt.

 

Ein Mangel an Vitamin B2 führt zu allgemeiner Schwäche und verursacht Schädigungen der Haut, vor allem der Schleimhäute in Schnauze und Augen. Ein schwerer Mangel wirkt sich auch negativ auf den Stoffwechsel bestimmter anderer Vitamine (B, B36, K und Folsäure) aus.

Bei erhöhter Energiezufuhr in Form von Proteinen oder Fetten muss auch dementsprechend mehr Vitamin B2 zur Verfügung stehen. Eine Überversorgung ist aufgrund der schnellen Ausscheidung auch hier nahezu ausgeschlossen.

 

Vitamin B3

 

Vitamin B3 (Niacin) gehört ebenfalls zu den wasserlöslichen Vitaminen und kann bei ausgewogener Protein- und Vitamin-B6-Zufuhr vom Hund selbst synthetisiert werden. Es ist Bestandteil aller Körperzellen und wird teilweise in der Leber gespeichert.

Es ist am Protein-, Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel beteiligt, aber auch wichtig für die Verdauung sowie die Regeneration von Haut, DNS, Muskeln und Nerven. Weiterhin versorgt es die roten Blutkörperchen mit Sauerstoff.

 

Besonders viel Niacin ist in Fleisch, Fisch und Vollkorngetreide enthalten, wobei die in tierischen Produkten vorkommende Form besser verfügbar ist.

 

Der Tagesbedarf ist abhängig von der Proteinzufuhr, durchschnittlich liegt er bei 200μg je kg Körpergewicht.

 

Schädigungen durch Unterversorgung sind vielfältig: Herzfunktion und Nervensystem werden beeinträchtigt, es können Entzündungen und Geschwüre in der Mundhöhle auftreten. Erste Mangelerscheinungen sind Appetitlosigkeit, Durchfall und Hautveränderungen (häufiges Beispiel ist eine dunkelpurpur verfärbte Zunge). Eine Überdosierung führt zu Hautreizungen und Erbrechen.

 

Vitamin B5

 

Da Vitamin B5 (Pantothensäure) sehr instabil ist, kommt es so gut wie nie frei vor, sondern meist in an ein Mineral gebundener Form, z.B. als Kalziumpantothenat, oder im Nährstoffkomplex Coenzym A. Pantothensäure nimmt Einfluss auf den Protein-, Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel, besonders den der Zellen. Sie ist an der Pigmentierung des Fells, der Synthese diverser Hormone und der Vitamine A und D sowie an der Entgiftung des Körpers beteiligt. Durch Pantothensäure werden außerdem die Schleimhäute widerstandsfähiger gegenüber Infektionen.

 

Pantothensäure kommt in allen Nahrungsmitteln vor, allerdings nur in niedriger Konzentration.

 

200μg je kg Körpergewicht decken den Tagesbedarf an diesem Vitamin.

 

Ebenso vielfältig wie die Aufgaben sind die Mangelerscheinungen. Erste äussere Anzeichen sind Appetitlosigkeit, stumpfes Fell und eine erhöhte Infektionsanfälligkeit. Bei längerfristigem Mangel können Anämie, eine hohe Infektanfälligkeit und Störungen des Nervensystems die Folge sein.

Überdosierungen sind selten, sie würden in erster Linie mit Verdauungsstörungen einher gehen.

 

Vitamin B6

 

Vitamin B6 (Pyridoxin) kann sechs biologisch aktive Formen annehmen, die alle im Stoffwechsel ineinander verwandelt werden können. Zur Verarbeitung einiger dieser Formen benötigt der Körper Vitamin B

2. Pyridoxin hilft dabei, mit der Nahrung aufgenommene Proteine zu den körpereigenen Proteinen, also Bausubstanz, umzubauen. Darüber hinaus wirkt es entscheidend an der Blutbildung, der Immunabwehr, dem Nervensystem und dem Hormonhaushalt mit.

 

Pyridoxin kommt in allen Nahrungsmitteln, besonders in Fleisch, Fisch und Reis vor, wobei die Verfügbarkeit tierischen Pyridoxins höher ist, da die pflanzliche Form dieses Vitamins vor der Aufnahme im Darm noch umgebaut werden muss.

 

Pro Tag werden etwa 20μg je kg Körpergewicht benötigt. Bei gesteigerter Proteinzufuhr erhöht sich dieser Bedarf.

 

Unterversorgungen werden selten beobachtet, gewisse Mengen Pyridoxin können auch kurzfristig in den Muskeln gespeichert und bei Bedarf abgegeben werden. Anzeichen für einen Mangel sind Leistungsschwäche, Entzündungen der Schleimhäute und erhöhte Infektionsanfälligkeit. Es kommt zu Blutarmut, Funktionsstörungen des Nervensystems und Beeinträchtigung der Mineralstoffverwertung. Überversorgungen sind ebenfalls eher selten und gehen mit Lähmungserscheinungen und Nervenschädigungen einher.

 

Vitamin B7

 

Biotin wird auch Vitamin H genannt, aber als Vitamin B7 zur B-Gruppe gerechnet. Dieses Vitamin hilft dabei, Fett und Protein bei Bedarf in Kohlenhydrate umzuwandeln, um den notwendigen Glucosewerte aufrecht zu erhalten. Weitere Aufgaben des Biotins im Energiestoffwechsel sind der Abbau von Proteinen wie auch der Aufbau von Fettsäuren. Außerdem ist es entscheidend an der Keratinbildung und damit u.a. an gesundem Fell beteiligt.

Biotin kommt in fast allen Nahrungsmitteln vor, besonders in Innereien und Molke, allerdings stets in relativ geringer Konzentration. Die Verfügbarkeit des Biotins ist derzeit noch kaum erforscht.

 

Biotin wird zu einem kleinen Teil im Darm synthetisiert, zusätzlich werden täglich etwa 2μg je kg Körpergewicht benötigt.

 

Mögliche Auswirkungen eines Biotinmangels sind Appetitlosigkeit, Antriebsschwäche und Hautprobleme inklusive Haarausfall. Überversorgungen sind selten, es käme zu Störungen des Insulinhaushalts.

 

Vitamin B9

 

Vitamin B9 ist auch als Folsäure oder Vitamin Bc bekannt. Es ist für die Zell- und Gewebebildung, vor allem von Schleimhäuten und Blutkörperchen unverzichtbar. Es unterstützt den DNA-Stoffwechsel und schützt das Herz-Kreislauf-System.

 

Folsäure kommt vor allem in Leber, Eiern und Hefe vor, wobei das Vitamin aus tierischen Nahrungsmitteln besser verwertbar ist als das aus pflanzlichen.

 

Der tägliche Bedarf wird mit 4μg je kg Körpergewicht gedeckt, der Rest der benötigten Folsäure wird im Darm synthetisiert.

 

Mangelerscheinungen treten bei diesem Vitamin erst spät auf und dann dort, wo vermehrt neue Zellen gebildet werden müssen, zum Beispiel bei der Wundheilung, der Blutbildung und der Verdauung (Schleimhäute). Weitere Folge ist ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten.

Überversorgung sind kaum beobachtet, möglich wären Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts.

 

Vitamin B12

 

Vitamin B12 (Cobalamin) ist ein von Darmbakterien kompliziert aufgebautes Gebilde. Als einziges Vitamin enthält es einen anorganischen Bestandteil, nämlich das Spurenelement Kobalt.

Cobalamin ist an der Regulation der Energiespeicherung, an der Bildung der DNS sowie an Zellteilung und -wachstum beteiligt. Es ist außerdem wichtig für das Nervensystem und die Eisenverwertung. Durch Vitamin B12 wird Folsäure erst in seine physiologisch aktive und somit wirksame Form verwandelt.

 

Fleisch- und Milchprodukte sind die Hauptlieferanten für dieses ausschließlich in Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs und Fermentationsprodukten vorkommende Vitamin.

 

Der Tagesbedarf liegt bei nur 0,5μg je kg Körpergewicht, da Cobalamin eine hohe Recyclingfähigkeit besitzt, das heißt, die Überreste werden über die Galle in den Dünndarm geleitet, wo sie sich wieder an Aminosäuren heften und erneut durch die Darmwand transportiert werden.

 

Eine Unterversorgung wird aufgrund der Speicher- und Recyclingfähigkeit dieses Vitamins meist erst nach langer Zeit festgestellt. Mangelerscheinungen sind denen eines Folsäuremangels ähnlich, die Zellbildung ist also gestört, im Falle des Cobalamins wirkt sich dies besonders auf das Nervensystem aus. Die Folgen einer Überversorgung sind nicht bekannt.

 

Vitamin C

 

Vitamin C (Ascorbinsäure) gehört zur Gruppe der wasserlöslichen Vitamine und ist sehr flüchtig, weil licht-, hitze- und luftempfindlich. Ascorbinsäure ist ein Antioxidanz, schützt also alle Zellen vor Angriffen durch freie Radikale. Es spielt weiterhin eine große Rolle für das Immunsystem, da es sowohl auf zellulärer als auch auf hormoneller Ebene an Abwehrprozessen beteiligt ist. Weitere Aufgaben sind Wundheilung, Abtransport giftiger Schwermetalle und das Erleichtern der Aufnahme pflanzlichen Eisens.

 

Vitamin C kommt vor allem in Obst und Gemüse vor.

 

Mangelerscheinungen sind mannigfaltig, sie reichen von Müdigkeit, schlechter Wundheilung, erhöhter Infektanfälligkeit und Leistungsschwäche bis zu Blutungen in der Mundhöhle, Gelenkentzündungen und Muskelschwund.

Überversorgungen sind selten, weil überschüssiges Vitamin C sehr schnell ausgeschieden wird. Allerdings schwemmt es dabei nicht nur schädliche Metalle, sondern auch Kalzium mit aus, so dass bei erhöhter Vitamin-C-Zufuhr auch die Kalziumgabe angepasst werden sollte. Ein Zuviel tritt meist in Verbindung mit der Verabreichung hoher Dosen künstlichen Vitamin Cs auf und führt dazu, dass die antioxidative Wirkung sich umkehrt, freie Radikale also vermehrt statt bekämpft werden.

 

Da Hunde als Beutegreifer kaum an Vitamin C kommen, hat Ihnen die Natur die Fähigkeit zur Eigensynthese gegeben. Bereits eine minimale Kohlenhydratzufuhr macht eine Vitamin-C-Gabe überflüssig.

Oftmals wird bei Zufuhr nicht benötigter Nährstoffe ein Verlust der Fähigkeit zur Eigensynthese beim jeweiligen Lebewesen beobachtet. Es ist davon auszugehen, dass der Fall bei Hunden nicht anders liegt und eine langfristige Zufütterung zum Verlust der Fähigkeit zur Eigensynthese führen kann - mit gefährlichen Folgen bei erhöhtem Bedarf an Ascorbinsäure im Krankheitsfall.

 

Vitamin D

 

Vitamin D (Kalciferol) ist ein Sammelbegriff für mehrere fettlösliche, lichtempfindliche Wirkstoffe, die Hunde nicht eigenständig synthetisieren können. Schon den wölfischen Vorfahren kam diese Fähigkeit aufgrund ihres dicken, dichten Fells abhanden, das UV-Strahlen gar nicht bis auf die Haut durchdringen lässt.

 

Seine Funktion im Knochenstoffwechsel macht Vitamin D unverzichtbar, in dieser Funktion zählt es zu den Hormonen, ist also ein Botenstoff, der Informationen über den Blutkreislauf von Zelle zu Zelle trägt. Zusammen mit zwei weiteren Hormonen reguliert es den Kalzium- und Phosphorhaushalt des Körpers und somit die Knochensubstanz, indem es quasi als ständige Patrouille das Vorkommen beider Mineralien in Blut und Knochen kontrolliert und gegebenenfalls als Handwerker fungiert, indem es sie bedarfsgerecht ein- oder abbauen lässt.

 

Vitamin D ist vor allem in Fisch, Leber, Eiern und Milchprodukten zu finden.

 

Der durchschnittliche Tagesbedarf beträgt 10 I.E. bzw. 0,25 μg je kg Körpergewicht. Dieser Bedarf steigt, je unausgeglichener die Kalzium- und Phosphorversorgung ist.

 

Die richtige Dosierung ist bei diesem Vitamin besonders wichtig, da schon geringfügige Fehlversorgungen irreparable Schädigungen der Knochensubstanz zur Folge haben können. Selbst im Krankheitsfall darf die Dosierung 50 I.E. je Tag und kg nicht überschreiten. Bei einem Vitamin-D-Mangel fehlen Kalzium und Phosphor im Blut und werden aus den Knochen gezogen, um die Normalwerte im Blut wieder herzustellen. Dies führt zu einer Entmineralisierung und Ausdünnung der Knochen, sie werden weich und brüchig. Oftmals werden auch Nerven in Mitleidenschaft gezogen. Eine Überversorgung führt zu erhöhten Kalzium- und Phosphorkonzentrationen im Blut, was Organ- und Gefäßverkalkungen, große Urinmengen und Durchfall nach sich zieht.

Vitamin D2 bezeichnet das in pflanzlichen, Vitamin D3 das in tierischen Quellen enthaltene Vitamin D.

 

Vitamin E

 

Vitamin E (Tocopherol) beherbergt ebenfalls eine ganze Gruppe fettlöslicher Vitamine, das häufigste ist das α-Tocopherol. Seine Hauptaufgabe ist die Neutralisation freier Radikale, die die Zellwände angreifen könnten. Hierbei wird es zwar selbst zerstört, kann aber durch Hilfe des Vitamin C wieder aufgebaut werden. Vitamin E ist aber auch für andere Körperfunktionen, wie zum Beispiel Blutgefäße, Entgiftung und Muskulatur wichtig.

 

Vitamin E kann nur von Pflanzen synthetisiert werden, kommt daher auch fast ausschließlich in fetten, pflanzlichen Lebensmitteln, also Ölen, Kernen und Samen vor. Da viele pflanzliche Öle das enthaltene Vitamin E allerdings zum Schutz der ebenfalls enthaltenen ungesättigten Fettsäuren brauchen, ist auf die dem Organismus tatsächlich zur Verfügung stehende Menge Vitamin E zu achten. Faustregel hierbei: Pro Gramm ungesättigter Fettsäuren werden mindestens 0,6mg Vitamin E verbraucht. Erst überschüssiges Vitamin E kann für seine eigentlichen Aufgaben im Körper heran gezogen werden. Eine gute Vitamin-E-Bilanz weisen beispielsweise Walnuss- oder Weizenkeimöl auf, besonders schlecht fällt diese Bilanz bei Leinöl aus.

 

Es werden täglich 0,5mg oder 0,75 I.E. je kg Körpergewicht benötigt. Vitamin E kann seine volle Wirkung nur bei ausreichender Provitamin-A- und Selenversorgung entfalten.

 

Eine Unterversorgung tritt erst relativ spät zutage, da Vitamin-E-Speicher nur sehr langsam abgebaut werden. Ein Mangel führt zu Zersetzungsprozessen an allen Körperzellen, bemerkbar etwa an Muskel- und Nervenschwäche sowie Störungen des Herz-Kreislauf-Systems.

Da es bei der Zufuhr relativ hohe Toleranzen gibt, sind die Symptome einer Überdosierung schwierig zu ermitteln. Man geht davon aus, dass Hormon- und Blutgerinnungsstörungen auf einen Vitamin-E-Überschuss zurück zu führen sind.

Aufgrund seiner antioxidativen, also nährstoffschützenden Eigenschaften und der relativ geringen Verluste beim Erhitzen (max. 10%) wird Vitamin E oft zur Konservierung eingesetzt.

 

Vitamin K

 

Vitamin K (Phyllochinon) bezeichnet eine Gruppe fettlöslicher Substanzen. Es ist an der Synthese verschiedener Blutgerinnungsfaktoren in der Leber beteiligt. Außerdem spielt eine entscheidende Rolle bei Aufbau und Gesunderhaltung von Knochen und Zähnen, da es sowohl bei der Bildung von Knocheneiweiß als auch beim Kalziumstoffwechsel benötigt wird.

Vitamin K1 kommt vorwiegend in Nahrungsmitteln pflanzlichen Ursprungs, aber auch in Fleisch und Fisch vor. Vitamin K2 wird im Darm synthetisiert.

Vitamin K3 (Menadion) ist die künstlich hergestellte, wasserlösliche Form des Vitamin K. Ihm wird hin und wieder eine toxische Wirkung auf Hunde unterstellt, die wissenschaftlich nie untermauert werden konnte. Zwar ist es im Humanbereich verboten, was jedoch aus seiner Anwendung bei Säuglingen im Zusammenspiel mit deren noch nicht hinreichend ausgebildetem Stoffwechselsystem her rührt und auf Hunde nicht übertragbar ist.

 

Der tägliche Bedarf ist nicht bekannt, es ist davon auszugehen, dass ein gesunder Hundeorganismus die Substanz in ausreichendem Maße zur Verfügung stellen kann.

 

Ein Mangel wäre für ein fettlösliches Vitamin relativ schnell erreicht, da die Speicherkapazitäten nicht allzu groß sind. Er tritt beispielsweise bei Magen-Darm-Erkrankungen oder -Schwächen (z.B. bei Antibiotikagabe) auf, schädigt die Leber und verursacht Störungen bei der Blutgerinnung und der Knochenmineralisierung. Reale Überdosierungen und ihre Folgen sind nicht bekannt.

 

Vitamin K ist nicht deklarationspflichtig.

 

Mineralstoffe

 

Mineralien sind anorganische Nährstoffe, die vom Hundekörper nicht selbst synthetisiert werden können, also immer von außen zugeführt werden müssen. Sie dienen einerseits als Baustoffe für Knochen und Zähne (Kalzium, Phosphor und Magnesium), andererseits als Reglerstoffe in Stoffwechselvorgängen.

Da sich alles Leben aus dem Wasser entwickelte, müssen die darin enthaltenen Mineralien auch den Lebewesen, die nicht mehr im Wasser leben, immer noch stets zur Verfügung stehen. Mineralien sind eng an den Wasserhaushalt des Körpers gekoppelt, einige von ihnen sind Bestandteil aller Körperflüssigkeiten, regulieren dort den Wasserhaushalt, die Druckverhältnisse und den Säure-Basen-Haushalt.

 

Mineralstoffe werden in Abhängigkeit von ihrem relativen Anteil an der Körpermasse unterteilt: Mengenelemente sind die in recht hoher Konzentration vorkommenden Mineralien, während Spurenelemente nur in kleinen, aber entscheidenden Mengen zu finden sind.

Die benötigten Mengenelemente sind Kalzium, Phosphor, Magnesium, Natrium, Chlor, Kalium und Schwefel. Sie werden auch als Elektrolyte bezeichnet, da sie fähig sind, in flüssiger Umgebung elektrischen Strom zu leiten. Sie unterteilen sich dabei in positiv und negativ geladene Teilchen und verteilen sich so, dass innerhalb der Zellen eine andere Konzentration als außerhalb herrscht. Die dadurch erzeugte Spannung bleibt nicht konstant, sondern verändert sich durch Austausch der Elektrolyte durch die Zellmembran (Zellhaut) hindurch ständig. Diese Änderungen steuern alle Vorgänge auf Zellebene. Zu den lebensnotwendigen Spurenelementen gehören Eisen, Kupfer, Zink, Jod, Fluor, Chrom, Kobalt, Nickel, Molybdän, Mangan und Selen. Leider wurden die Spurenelemente und ihre Bedeutung erst spät entdeckt, so dass ihre Funktionen immer noch erforscht werden.

Grundsätzlich ist der Mineralienanteil im Hundekörper relativ hoch, da der gesamte Organismus auf die Verdauung ganzer Beutetiere ausgerichtet ist. Beutetiere enthalten viel Blut, das wiederum viele Mineralien enthält.

 

Mineralstoffe liegen in der Nahrung nur selten in ihrer elementaren Form vor, sondern sind meist an andere Stoffe gebunden. Diese Trägerstoffe können ebenfalls anorganisch sein oder aus Kohlenhydraten oder Proteinen bestehen. Letztere werden als Chelate bezeichnet. Diese Chelate sind für den Hund weit besser verwertbar als die anorganische Form, weil hierbei das Mineralsalz während des Transports zu seinem Bestimmungsort von einem Ring aus Aminosäuren umschlossen wird, die anschließend selbst andernorts eingesetzt werden können. Die Elementarform hingegen ist meist an einen anderen anorganischen Transportstoff gebunden, der nach dem Transport nicht verwertet werden kann und teilweise aufwändig wieder ausgeschieden werden muss, sich teilweise aber auch ablagert und längerfristig zu Vergiftungen führen kann. Es kann sogar dazu kommen, dass sich diese unerwünschten Trägerstoffe mit anderen Stoffen zu freien Radikalen verbinden. Ein gutes Hundefutter wird Mineralien also in chelierter Form, nicht in ihrer Elementarform zusetzen.

 

Ein Mineralstoffmangel kann vor allem bei den Baustoffen relativ lange kompensiert werden, indem die benötigten Stoffe den Speichern (z.B. den Knochen) entzogen werden. Wenn Mangelsymptome auftreten, ist die Unterversorgung also im allgemeinen schon weit fortgeschritten. Ein erhöhter Bedarf an Mineralien besteht beispielsweise nach Durchfällen, da die mit dem Wasserhaushalt eng verbundenen Mineralien ebenfalls ausgeschwemmt werden. Ein Zuviel an Mineralien kann teilweise über die Ausscheidung reguliert werden, belastet den Organismus dabei aber unnötig und führt bald zu einem erhöhten Blut-pH-Wert und diversen Gesundheitsstörungen.

 

Kalzium

 

Kalzium ist in erster Linie für die Mineralisation von Knochen und Zähnen zuständig. In dieser Funktion ist es stark auf die Zusammenarbeit mit Vitamin D und Phosphor angewiesen. Die Knochen befinden sich in einem immerwährenden Umbau, weil der Körper stets auf jede noch so kleine Veränderung mit der erforderlichen Optimierung des Knochengerüsts reagiert. Er tut dies, indem er mithilfe des Vitamin D ständig die Konzentrationen von Kalzium und Phosphor sowohl in den Knochen als auch im Blut kontrolliert und reguliert.

Kalzium ist in jeder Körperzelle vorhanden und dabei nicht nur als Baustoff, sondern auch als Reglerstoff wichtig. So ist es auch beim Zusammenspiel von Nerven und Muskeln, bei der Blutgerinnung und als Stabilisator von Zellwänden unverzichtbar. Es wird in den Knochen eingelagert und von dort aus bei Bedarf abgegeben.

 

Kalzium ist vor allem in Milch und Milchprodukten zu finden, muss der Hundenahrung also meist künstlich zugefügt werden. Es kommt aber auch in Nebenerzeugnissen wie Knochen oder Eierschalen vor.

 

Der Stellenwert der Kalziumversorgung ist vor allem daran erkennbar, dass dieses Mengenelement immerhin 2% der Körpermasse ausmacht. Der tägliche Bedarf liegt bei 80mg je kg Körpergewicht. Dieser Bedarf kann sich bei übermäßiger Aufnahme von Kohlenhydraten erhöhen, da bestimmte Bestandteile die Kalziumresorption hemmen. Außerdem hemmt ein übermäßiges Phosphor- oder Magnesiumangebot die Kalziumresorption.

 

Ein längerer Kalziummangel führt zwangsläufig zu Schädigungen des Skelettsystems: Die Knochen werden ausgedünnt (Osteoporose) und können auch Nerven einklemmen. Auch die Zahngesundheit wird in Mitleidenschaft gezogen. Weitere mögliche Folgen sind Krämpfe und eine gestörte Blutgerinnung.

 

Ein Zuviel wird in kleineren Mengen über den Kot ausgeschieden, größere Überdosierungen haben eine Verkalkung zur Folge, es kommt zu Muskelschwäche, Organverkalkung, Verstopfung und Erbrechen. Der Mineralstoffwechsel gerät in ein Ungleichgewicht, was mit Austrocknung einher gehen kann.

 

Phosphor

 

Posphor kommt im Körper vorwiegend als Phosphat vor und ist nacKalzium das häufigste Mineral im Körper. An Kalzium gebunden ist es ustein von Knochen und Zähnen, wobei sein Transport ebenso wsein Ein- und Abbau durch Vitamin D geregelt wird. Außerdem ist es als Teil der DNA, also der Erbinformationen, notwenig für den Aufbau von Zellen und greift als Energiequelle für alle Zellaktivitäten in den Energiestoffwechsel ein.

 

Dieses Mineral ist in fast allen Nahrungsmitteln enthalten, besonders in Milchprodukten, aber auch in Fleisch, Fisch und Getreide.

 

Das optimale Verhältnis zu Kalzium sollte 1:1,25 (P:Ca) betragen, es empfiehlt sich also eine tägliche Zufuhr von 60mg je kg Körpergewicht. Bei zu hoher Kalzium-, Magnesium- oder Eisenzufuhr wird die Phosphorresorption gestört.

 

Ein Phosphormangel wirkt sich schnell vor allem bei der Wechselwirkung mit Kalzium und Vitamin D aus, die Knochen dünnen aus, werden weich und brüchig, Zähne lockern sich und fallen aus. Außerdem kann es zu Störungen des zentralen Nervensystems kommen. Erhöhte Phosphorzufuhr wird teilweise mit dem Urin wieder ausgeschieden, allerdings sind auch hier die Toleranzen recht gering (die Obergrenze liegt bei 160mg/kgLM/Tag) und das Risiko einer Harnsteinbildung ist hoch. Bei einer Überversorgung wird die Kalziumresorption gestört, es kommt zu Osteoporose, Blutgerinnungsstörungen und Krämpfen. Ebenso können Durchfälle und Nierenkrankheiten vorkommen.

 

Kalium

 

Kalium (Potasche) ist Bestandteil aller Zellen im Organismus. Es ist wichtig für den Flüssigkeitshaushalt, Muskulatur und Nerven, ferner greift es in den Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel ein.

 

Es findet sich vor allem in Obst und Gemüse, aber auch in Getreide.

 

55mg je kg Körpergewicht decken den täglichen Bedarf an Kalium.

 

Eine mangelhafte Versorgung tritt meist im Zusammenhang mit Durchfallerkrankungen oder übertriebener Wasserzufuhr auf und wird relativ schnell sichtbar, da die Speicherkapazitäten für Kalium recht begrenzt sind. Es kommt zu allgemeiner Schwäche, Verstopfung, niedrigem Blutdruck und sogar Lähmungserscheinungen. Um den Wasserhaushalt nicht zu gefährden, muss bei erhöhter Natriumzufuhr auch der Kaliumanteil erhöht werden.

 

Eine Überversorgung kann relativ lange über die Ausscheidungsmechanismen kompensiert werden, sie tritt eher in Folge einer Nierenfunktionsstörung auf und schädigt vor allem das Herz, es kommt zu Herzrhythmusstörungen bis hin zum Kammerflimmern. Äußerlich erkennbar ist ein Kaliumüberschuss an großen Urinmengen, da Kalium harntreibend wirkt.

 

Magnesium

 

Magnesium wird zur Hälfte im Skelett, also Knochen, Sehnen und Zähnen, eingelagert. Andernorts ist es wichtig für das Herz-Kreislauf-System und die Erregungsleitung von Muskeln und Nerven, außerdem ist es für die Aktivierung aller mit der Übertragung von Phosphaten einher gehenden Reaktionen des Energiestoffwechsels verantwortlich.

 

Magnesium kommt vor allem in Getreide, Hülsenfrüchten und Fisch vor.

 

Mit 15mg je kg Körpergewicht ist der tägliche Bedarf gedeckt.

 

Eine Unterdosierung von Magnesium wird zunächst durch Abziehen des im Skelett eingelagerten Magnesiums kompensiert. Ein anhaltender Mangel schädigt sowohl das Skelett als auch das Herz-Kreislaufsystem. Äußerliche Symptome sind Zittern, Verdauungsbeschwerden und Konzentrationsschwäche, aber auch Knorpel-, Organ- oder Gefäßverkalkungen können Folgen eines Magnesiummangels sein. Eine Vielzahl von Wechselwirkungen hat zur Folge, dass die Aufnahme von Magnesium durch falsche Zufuhr anderer Nährstoffe gehemmt wird. So geht mit der Überdosierung von Kalzium, Phosphor, Fett oder Protein sowie mit der Unterdosierung von Vitamin B oder B1 6 auch stets ein Magnesiummangel einher.

Bei einem Überangebot wird zunächst die Resorptionsrate gesenkt. Mögliche Folgen einer akuten Überversorgung (vor allem mit anorganischem Magnesium) sind Durchfall, Lähmungserscheinungen sowie ein erhöhtes Risiko der Harnsteinbildung aufgrund der vermehrten Aufkommens im Urin.

 

Natrium

 

Natrium kommt in Lebensmitteln gewöhnlich in seiner Verbindung mit Chlor, also in Form von Natriumchlorid (Kochsalz) vor. Es bindet Wasser und steuert so maßgeblich den Wasserhaushalt des Körpers, wird dabei in großen Mengen ausgeschieden und muss dementsprechend zugeführt werden. Darüber hinaus ist Natrium wichtig für das Nervensystem, den Säure-Basen-Haushalt, den Kohlenhydrat- und Proteinstoffwechsel sowie die Muskulatur und sichert zusammen mit Kalium die Funktion der Zellmembranen.

 

Natrium ist in allen salzhaltigen Lebensmitteln enthalten.

 

Der tägliche Bedarf beträgt 50mg je kg Körpergewicht, der Tagesbedarf eines 20kg schweren Hundes entspricht somit immerhin 4 Messerspitzen Salz.

 

Ein Natriummangel führt zur Austrocknung und damit zu trockener Haut, vermehrtem Hecheln und Lecken, Apathie, niedrigem Blutdruck und Leistungs-/Muskelschwäche. Gerade die aus der menschlichen Ernährung übernommene und mittlerweile als übertrieben entlarvte Abneigung gegen Salz auf der Zutatenliste führt oft zu einem Mangel an diesem Nährstoff. Hunde jedoch nehmen kein verstecktes Kochsalz z.B. aus Fertigbackmischungen, Chips oder Dosengemüse auf, wie das beim Menschen der Fall ist. Außerdem haben Hunde als Beutetierfresser einen in der Relation sehr viel höheren Bedarf an Natrium, da dies in großen Mengen im aufgenommenen Blut des Beutetiers vorhanden wäre.

 

Eine Überdosierung hingegen kommt selten vor, da nicht benötigtes Natrium bei entsprechendem Wasserangebot zu großen Teilen ausgeschieden werden kann. Folge einer massiven Überversorgung wäre eine Salzvergiftung, zu deren Symptomen Schwäche, Erbrechen, Durchfall sowie Herz- und Atemstörungen zählen.

 

Eisen

 

Eisen ist vor allem für Speicherung und Transport von Sauerstoff im Körper notwendig. So ist es beispielsweise als Häm-Eisen an Hämoglobin, den roten Blutfarbstoff, gebunden, welcher den Sauerstoff aus der Lunge in jede Körperzelle transportiert. Gleichzeitig fungiert es als Sauerstoffspeicher, zum Beispiel in den Muskeln. Weiters ist es Bestandteil jedes pigmentierten Haares, wichtig für das Immunsystem und am Energiestoffwechsel beteiligt.

 

Eisen ist in Fleisch, Gemüse und Getreide enthalten, allerdings kann es aus tierischen Nahrungsquellen besser genutzt werden.

 

Der tägliche Eisenbedarf beläuft sich auf 1,4mg je kg Körpergewicht. Dieser Wert kann nach größeren Blutverlusten, bei langhaarigen Hunden auch im Fellwechsel erhöht sein. Auch ein Überangebot von Fetten und Kohlenhydraten in der Nahrung erschwert die Resorption und erhöht so ebenfalls den Bedarf.

 

Die Eisenaufnahme wird vom Körper ständig reguliert, bei ungenügender Zufuhr wird die Resorptionsrate um ein Vielfaches gesteigert. Erst sehr spät wird der Mangel erkennbar, beispielsweise an Entzündungen der Mundschleimhaut, Leistungsschwäche und einer Ausdünnung der Fellfärbung. Unsichtbare, aber umso bedenklichere Folgen sind Blutarmut und ein erhöhtes Infektionsrisiko.

 

Überversorgungen sind zwar selten, dafür umso problematischer. Der Großteil des zugeführten Eisens wird ungenutzt wieder ausgeschieden, nur ein gewisser Prozentsatz wird im Dünndarm resorbiert. Einmal aufgenommenes Eisen kann jedoch bei Nichtgebrauch nicht ausgeschieden werden. Es bleibt als freies Eisen, also freies Radikal, im Körper und greift die Zellen an.

 

Kupfer

 

Unter den Spurenelementen hat Kupfer wohl die meisten Aufgaben zu erfüllen: Es ist u.a. wichtig für das Immunsystem, da es hilft, die Zellen vor freien Radikalen zu schützen. Es ist Bestandteil des Knochengerüsts, unterstützt das Nervensystem, das Bindegewebe (Kollagenbildung), die Energiegewinnung und die Bildung des Pigments Melanin, das die Fellfärbung bestimmt. Außerdem steht Kupfer in enger Wechselwirkung mit Eisen, es ist sowohl für dessen Transport als auch für die Verwertung verantwortlich.

 

Besonders viel Kupfer ist in Käse, Leber und Fisch enthalten.

 

Der Bedarf liegt bei 100μg je kg Lebendgewicht. Bei langhaarigen Hunden ist der Bedarf während des Fellwechsels erhöht. Übermäßige Kalzium,- Eisen- oder Zinkzufuhr stört die Kupferaufnahme.

 

Bei einem Kupfermangel zeigt sich Ergrauen, Haarausfall und Infektionsanfälligkeit, das zentrale Nervensystem wird in Mitleidenschaft gezogen, es kann zu Anämie und Osteoporose (wegen gestörter Kollagenbildung) kommen. Ein häufiges Symptom ist die Durchtrittigkeit, also die Zehenspreizung.

 

Ein Überschuss wird nur zum Teil ausgeschieden, der andere Teil wird in der Leber gespeichert. Ein Zuviel an Kupfer zeigt sich äußerlich zunächst an Erbrechen und Durchfall (Darmentzündung), bei chronischer Überversorgung treten Leberschädigungen und Gelenkentzündungen auf. Im Verhalten kann ein Zuviel an Kupfer zu Nervosität bis hin zu Hyperaktivität oder Aggressivität führen.

 

Zink

 

Der gesamte Energiestoffwechsel, das Immunsystem, viele Hormone und die Erbsubstanz sind auf Zink angewiesen. Zink ist vor allem für seine Rolle im Hautstoffwechsel bekannt, da es das Zellwachstum, also insbesondere die Wundheilung, aber auch allgemein die Gesundheit der Hautzellen fördert.

 

Viel und gut verwertbares Zink ist in Käse, Fisch und Rindfleisch enthalten. Generell kann Zink aus tierischen Lebensmitteln aufgrund einiger ebenfalls enthaltener, die Zinkresorption fördernder Aminosäuren besser verwertet werden als aus pflanzlichen. Anorganische Zinkverbindungen, insbesondere Zinkoxid, können großteils nicht verstoffwechselt werden und bleiben ungenutzt. Ein Überangebot von Kalzium oder Kupfer behindert die Zinkaufnahme.

 

Der Bedarf an Zink beträgt 9mg pro kg Körpergewicht. Ein Kalziumüberschuss wirkt sich negativ auf die Zinkresorption aus. Bei langhaarigen Hunden können während des Fellwechsels höhere Mengen erforderlich sein. Zink kann nicht gespeichert werden, es bedarf also einer regelmäßigen Zufuhr in ausreichender Menge.

 

Je schlechter der Körper mit Zink versorgt ist, desto besser nutzt er das zur Verfügung stehende Zink aus. Ein Mangel tritt also erst bei akuter Unterversorgung und zeitverzögert zutage. Symptome eines Zinkmangels sind allgemeine Schlappheit, mangelnde Konzentrationsfähigkeit und ein angegriffenes Immunsystem. Auch äußerliche Alterserscheinungen in Form von nachlassenden Pigmentierungen, Haarausfall und schlecht heilenden Wunden können Zeichen eines Zinkmangels sein. Häufig treten Borken im Augen- und Schnauzenbereich auf.

Da Zink als Bestandteil diverser Enzyme entscheidend am Energiestoffwechsel beteiligt ist, sollte die Zinkzufuhr der Energie-, also Protein-, Fett- und Kohlenhydratzufuhr, angepasst sein.

Durch eine Zink-Überdosierung wird die Resorption anderer Spurenelemente gestört, außerdem treten Verdauungsstörungen in Form von Erbrechen und Durchfall auf, bei akuter Überversorgung kommt es zur Anämie.

 

Selen

 

Selen ist vor allem im Zusammenspiel mit Vitamin E von großer Bedeutung. Als Antioxidanzien schützen sie die Zellen und das Immunsystem und helfen bei der Entgiftung des Körpers. Selen ist außerdem sehr wichtig für die Produktion und den Umbau von Schilddrüsenhormonen.

 

Hauptlieferanten für Selen sind Fleisch, Getreide und Fisch.

 

Der Bedarf liegt bei 2,5μg je kg Lebendgewicht.

 

Da Selen an vielen Stellen gleichzeitig wirkt, sind auch die Zeichen einer Unterversorgung mannigfaltig: allgemeine Stoffwechselstörungen, ein erhöhtes Infektionsrisiko, Gelenkerkrankungen und sogar Lähmungserscheinungen gehören dazu, ebenso wie eine Schilddrüsenunterfunktion. Erste Anzeichen einer Selenüberdosierung sind Haarausfall, Knoblauchgeruch und Erbrechen. Man muss davon ausgehen, dass ein akuter Überschuss verstärkt in der Leber gespeichert wird und dort zu Schäden führt.

 

Selen wird dem Futter oft in Form von Natriumselenit zugesetzt, hierbei ist darauf zu achten, dass nicht ebenfalls Vitamin C enthalten ist, da letzteres die Selenaufnahme verhindert. Generell hat Natriumselenit eine sehr niedrige Bioverfügbarkeit und sollte daher gemieden werden